Über Gnome 3 ist schon viel geschrieben worden. Ich will mich drum nicht in Einzelheiten und der Konfiguration verlieren und vor allem nicht jammern. Ich verstehe es nur nicht mehr, und warum es jetzt so kommen musste.
Gnome 2 war nie besonders schnell, aber brauchbar. (Ich habe eine ganze Zeitlang damit gearbeitet, bevor andere Aspekte wichtiger wurden.) So ziemlich jedes Funktionsmerkmal war vergleichsweise intuitiv zu erreichen und in seinen Möglichkeiten zu überblicken und selbst Benutzer(innen), die nicht unbedingt Informatik studiert hatten, konnten damit nach wenigen Minuten halbwegs sicher umgehen. Daran hat sich über Jahre nichts geändert.
Mit Gnome 3 ist das nun grundlegend anders. Gnome 3 (ohne die Gnome Shell) scheint mir wesentlich dadurch geprägt zu sein, dem unbedarften (Unter-)Durchschnittsbenutzer auf einem Netbook möglichst geringe Fehlermöglichkeiten zu bieten, allerdings durch Einschränkung von Funktions- und Konfigurationsmerkmalen. Das ist ein klarer Rückschritt. Mag sein, dieser Benutzer stellt heute eine wachsende Zielgruppe dar, die vielleicht durch Tablets noch mehr Zulauf bekommt. Aber sind Leistung und Funktion nicht auch berechtigte Anforderungen? — Wer mehr will, soll zur Gnome Shell greifen, einem Aufsatz. Diese richtet sich meiner Ansicht nach nun interessanterweise aber an eine komplett andere Zielgruppe: den Benutzer, der Apple-Produkte kennt und liebt, noch dazu einen, der ausgerechnet in der Bedienung der Oberfläche selbst, d.h. im Navigieren zwischen Fenstern, Arbeitsflächen und Äpps, hin und her und wieder zurück, eine merkwürdige, narzisstische Erfüllung findet. Ich hab das nie begriffen. Ich hab immer gedacht, eine Oberfläche dürfe nur so gering wie gerade nötig auf dem Bildschirm in Erscheinung treten, sie müsse dem Benutzer selbstverständlich die Möglichkeiten geben, seine Aufgaben zu realisieren, dürfe ihn dabei aber nicht behindern, ihm schon gar nicht ein gewisses Vorgehen aufzwingen, Platz wegnehmen und Zeit kosten. Bei Gnome 3 mit der Gnome Shell ist gerade das Gegenteil der Fall. Die Gnome Shell ist in meinen Augen eine völlig überflüssige Idiotie, ein Auswuchs des Stils, den Smartphone-Oberflächen in den letzten Jahren prägen, man kennt ja gar kein anderes Feld der Innovation mehr. Das Beste an der Gnome Shell ist, dass man sie rückstandsfrei entfernen kann.
Fazit: Während Gnome 2 sich offensichtlich an der Oberfläche von Windows Vista orientierte, um möglichst auf niedrigem wie auch auf hohem Niveau universell benutzbar zu sein, liefert Gnome 3 ein merkwürdig zerrissenes Bild. Es taugt mit oder ohne Gnome Shell meiner Ansicht nach kaum für jemanden, der ernsthaft damit arbeiten will. Gnome macht damit deutlich, dass es seinen Zenit definitiv überschritten und das Stadium der Selbstgefälligkeit erreicht hat.
P.S.: Das Erste, womit Gnome 3 nach dem ersten Start den erwartungsvollen Benutzer begrüsst, ist ein Meldungsfenster mit dem Inhalt, Gnome 3 konnte nicht korrekt geladen werden. Und das ist wahrscheinlich die Wahrheit.
Freitag, 27. Mai 2011
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"Während Gnome 2 sich offensichtlich an der Oberfläche von Windows Vista orientierte"
AntwortenLöschenGnome 2 ist doch irgendwie 7 Jahre früher erschienen?!?!? Wie kann es, es dann auf Vista abgesehen haben?
Die letzten Gnome-2-Varianten haben das meiner Ansicht nach getan, seit es die ersten Vorabversionen von Vista gab. Das sog. "neue" Gnome-Menü war nichts weiter als eine eindeutige Kopie des neuen Vista-Startmenüs, das den Anwender in seiner Unordnung weniger "verwirren" sollte als das alte. Auch an frühere Windows-Versionen gibt es Anklänge: Nautilus ist schlicht ein Windows-95-Explorer (aber gut, dieses Modell haben seitdem viele übernommen, auch Thunar und Xfe). Der Gnome-Einstellungseditor ist deutlich an die Registry angelehnt. Es gibt viele Parallelen. Hinsichtlich der Oberfläche hat Gnome genaugenommen nie gross eigene Ideen hervorgebracht.
AntwortenLöschenAlso ich finde, dass es wirklich Unsinn ist zu behaupten die Gnome 2.x hätte sich ausgerechnet an der Windows Vista Oberfläche orientiert. Die Oberflächen von Linux Mint oder die KDE Oberfläche ähneln weitaus mehr einer Windows Oberfläche. Gnome unterscheidet sich da aus Anfängersicht doch sehr. Es gibt zwei Panels, das Menü bietet kein Suchfenster, virtuelle Desktops, Panel Applets....
AntwortenLöschenGNOME 2 hat mit Windoof - gleich welches - überhaupt nichts zu tun. Als es erfunden wurde, galt es ja gerade, M$ etwas ganz Anderes als Alternative entgegenzusetzen, da ja KDE 3 ziemlich Windows-ähnlich war. Erst in jüngerer Zeit hat man mit diversen Menüs wie "Lancelot" etc. wieder auf den Geschmack von Winows Usern gesetzt, ebenso mit dem merkwürdigen Trend, nur noch eins der beiden Panel zu nutzen, wie bei Mint oder SuSE. Das fälschlicherweise so genannte "GNOME" 3 dagegen bricht mit Allem! Weil Tablet-PCs und Touchscreen-Handys zur Zeit in sind, ist man auf diesen Mainstream aufgesprungen und glaubt wohl, aus dieser Nutzergruppe etliche "hinüberziehen" zu können. Daß man dabei eventuell nicht wenige bisherige GNOME-Liebhaber verliert, nimmt man dabei anscheinend schulterzuckend in Kauf. Für die hat man ja diesen merkwürdigen "Fallback-Modus" und dieses ebenso merkwürdige "Gnome-Tweak-Tool" nachgeliefert. Das das nicht einmal annähernd die Funktionen des bewährten "GNOME-Appearance-Properties" erfüllen KANN, ist den Machern wohl wurscht! Friß oder laß es bleiben! Das scheint das neue Konzept zu sein. Mainstream durch und durch, was man auch am neuen "Ubuntu Software Center" erkennt, das man zur Hälfte in eine Art Supermarkt umfunktioniert hat. Kaufen, kaufen, kaufen!!! Hat zwar mit dem Unix-Gedanken nicht das Geringste zu tun, deckt sich aber mit dem zunehmend materialistischen Charakter der Zeit, eben Mainstream! Das Gegenteil dessen, was GNOME 2 und Unix überhaupt einmal wollten...
AntwortenLöschenGruß von Oscar alias xpenguin